Was bisher geschah

1. Türchen

Ein lautes Klopfen reißt Knetbert unsanft aus dem Schlaf. Mühsam öffnet er ein Auge und späht auf die Uhr. Halb zwei – mitten in der Nacht! „Wer kann das nur sein?“, wundert sich Knetbert und wankt verschlafen zu seiner Haustür.

Misstrauisch öffnet er sie nur einen Spalt und lugt vorsichtig ins Dunkel. „Knetbert!“, ruft es sogleich erfreut. „Wie schön, dass du mir aufmachst. Ich dachte schon, du hörst mich nicht!“ „Vedi, mein Freund, was machst du denn hier? Um diese Uhrzeit?“ „Willst du mich nicht zuerst hineinlassen? Es ist bitterkalt hier draußen!“ „Ach, ja, natürlich“, antwortet Knetbert und tritt zur Seite, um Vedi Platz zu machen.

Sobald sie auf dem Sofa sitzen, sprudeln die Worte aus Vedi nur so hinaus: „Du musst mir helfen, der Weihnachtsmann, er…, er ist entführt worden!“ „Was? Entführt? Von wem denn? Und wohin? Und warum?“ Knetbert ist entsetzt! Wer macht denn so etwas? Und das kurz vor Weihnachten! „Ich weiß es nicht. Knecht Ruprecht, der engste Vertraute des Weihnachtsmannes, hat es beobachtet, er wohnt ja gleich nebenan. Auch er hat noch geschlafen, als laute Hilferufe ihn weckten. Natürlich ist er sofort ans Fenster gerannt, doch er konnte nur noch die Rücklichter eines dunklen Transporters sehen. Dann ist er mit quietschenden Reifen ums Eck gebogen.“

„Oh nein, das ist ja furchtbar! Und jetzt?“ „Jetzt hat uns Knecht Ruprecht, der Gehilfe des Weihnachtsmanns, darum gebeten, ihm zu helfen. Schließlich muss er sich nun solange um die Rentiere kümmern und die Geschenke für die Kinder organisieren. Daher fragt er, ob nicht wir beide währenddessen nach dem Weihnachtsmann suchen und ihn befreien können. Bist du dabei?“ „Ja, natürlich! Aber vielleicht ist es besser, wenn wir damit warten, bis es wieder hell ist und wir ausgeschlafen sind.“ 

2. Türchen

Am nächsten Tag beschließen die beiden, zunächst am Ort des Geschehens nach Spuren zu suchen. „Also nichts wie los ins Weihnachtsdorf! Doch wie sollen wir dorthin kommen?“, fragt sich Knetbert. „Knecht Ruprecht hat mir einen Tipp gegeben. Wir müssen im Wald zwei alte, große Eichen finden. Da müssen wir genau in der Mitte durchgehen und dann sollen wir es irgendwie schon sehen können“, erklärt Vedi. „Und das funktioniert?“, fragt Knetbert skeptisch. „Wir müssen es versuchen.“

Warm eingepackt ziehen die beiden los. Praktischerweise liegt Knetberts Hütte direkt im Wald und ist umgeben von Bäumen. Doch ein Blick in die Kronen macht Vedi stutzig:

„Also ich kenne mich ja nicht so gut aus mit Bäumen, aber eine Eiche sehe ich hier nicht. Das sind doch alles hohe, große Tannen.“

„Ja, das habe ich auch mal in der Schule gelernt. Eichen gehören zu den Laubbäumen und verlieren ihre Blätter im Winter. Die sind doch so gewellt am Rand. Und Tannen behalten ihre Nadeln das ganze Jahr über.“ „Stimmt. Aber wo sollen nun die Eichen sein?“

Als die beiden nach über einer Stunde des Suchens immer noch nicht fündig geworden sind, verlässt sie langsam der Mut. Gerade als sie wieder umkehren wollen, entdecken sie einen Hasen, der vor ihren Füßen unentwegt Haken schlägt. „Ich glaube, er will uns etwas zeigen“, meint Vedi. „Los, ihm nach!“ In schnellem Tempo hoppelt das flinke Tier tiefer und tiefer in den Wald.

Knetbert und Vedi rennen ihm keuchend hinterher. Auf einmal bleibt er kurz stehen, mitten zwischen zwei kahlen Bäumen. „Die Eichen!“ rufen Knetbert und Vedi aufgeregt. Und schwups – ist der Hase verschwunden. „Das gibt es ja gar nicht! Schnell, hinterher!“, ruft Vedi.

Sobald er und Knetbert die Bäume passiert haben, sehen sie nur noch weiß vor ihren Augen. Dabei rauscht ihnen der Wind nur so um die Ohren. „Das fühlt sich an wie tausend kleine Eiskristalle im Gesicht. Was ist das nur?“ fragt Knetbert fröstelnd. „Das muss ein Schneesturm sein“, entgegnet Vedi.

Plötzlich hört der Wind auf zu wehen und die beiden haben endlich wieder klare Sicht. Hinter ihnen liegt der Wald – und vor ihnen das Dorf des Weihnachtsmanns.

3. Türchen

Im Dorf des Weihnachtsmannes ist es eisig kalt. Unwillkürlich ziehen Knetbert und Vedi ihre Mützen tiefer ins Gesicht und schlagen den Schal etwas höher um die Ohren. Der Ort ist winzig, er besteht nur aus ein paar kleinen, alten Fachwerkhäuschen und zwei großen Werkstätten. In der einen wird Spielzeug hergestellt, in der anderen Weihnachtsgebäck gebacken.

„Siehst du, da vorne muss es gleich sein“ meint Vedi und deutet auf eines der Fachwerkhäuschen. Knetbert läuft vor und winkt seinen Freund herbei: „Schau mal, die Tür ist noch offen. Ob wir einmal hineinschauen sollen?“ Neugierig treten die beiden ein und erklimmen die steile Holztreppe ins Schlafzimmer.

Sofort beginnt Vedi, sich nach Spuren umzuschauen. Die Bettdecke liegt halb über dem Boden, daneben ein umgekipptes Glas Wasser. Und da, direkt vor dem Bett, steht ein einzelner Pantoffel. „Hier muss der Weihnachtsmann überfallen worden sein. Den Schuh hat er bestimmt dabei verloren", vermutet Vedi und ergänzt: „Aber ein Hinweis auf den Entführer ist weit und breit nicht zu sehen.“

„Und jetzt?“, fragt Knetbert enttäuscht. „Wie sollen wir den Weihnachtsmann jemals wiederfinden und befreien können?“ Auch Vedi scheint einen Moment ratlos zu sein. Das hatte er sich irgendwie einfacher vorgestellt. Da kommt ihm eine Idee: „Vielleicht sollten wir als Erstes Zeugen befragen? Möglicherweise hat ja zufällig jemand etwas gehört oder gesehen, das uns weiterhilft.“